Ausschnitt aus einer Rede Krishnamurtis von 1962

You see, we do not love. Love comes only when there is nothing, when you have denied the whole world – not an enormous thing called the world, but just your world, the little world you live in – the family, the attachment, the quarrels, the domination, your success, your hopes, your guilts, your obediences, your gods, and your myths. When you deny all that world; when there is absolutely nothing left, no gods, no hopes, no despairs; when there is no seeking; then out of that great emptiness comes love which is an extraordinary reality, which is an extraordinary fact not conjured up by the mind that has a continuity with the family through sex, through desire.

And if you have no love – which is really the unknown – , do what you will, the world will be in chaos. Only when you deny totally the known – what you know, your experiences, your knowledge, not the technological knowledge but the knowledge of your ambitions, your experiences, your family – , when you deny the known completely, when you wipe it away, when you die to all that, you will see that there is an extraordinary emptiness, an extraordinary space in the mind. And it is only that space that knows what it is to love. And it is only in that space there is creation – not the creation of children or putting a painting on the canvas, but that creation which is the total energy, the unknowable. But to come to that, you must die to everything that you have known. And in that dying, there is great beauty, there is inexhaustible life-energy.
(7. 3. 1962, Bombay)

Auf deutsch:
Wir lieben nicht. Liebe taucht erst auf, wenn nichts mehr da ist, wenn du der Welt entsagt hast – nicht dem Ganzen der Welt, sondern deiner Welt, der kleinen Welt, in der du lebst. Der Familie, den Bindungen, den Streitigkeiten, dem Beherrschenwollen, deinem Erfolg, deinen Hoffnungen, deiner Schuld, dem Gehorchen, deinen Göttern und Einbildungen. Wenn du dieser Welt entsagst, wenn absolut nichts übrig ist an Göttern, Hoffnungen, Verzweiflung, wenn das Suchen aufgehört hat – dann taucht aus dieser großen Leere die Liebe auf. Diese Liebe ist von gewaltiger Wirklichkeit, etwas Tatsächliches, das sich nicht unser Geist ausgedacht hat, eine Liebe, die nicht auf Sex und Begehren beruht.

Wenn du die Liebe nicht hast, die tatsächlich das Unbekannte ist, kannst du machen, was du willst, die Welt bleibt ein Chaos. Nur wenn du dem Bekannten entsagst – deinen Erfahrungen, deinem Wissen, nicht dem praktischen Wissen, sondern den in dir wirkenden Bestrebungen und Gewohnheiten, wenn du dem ganz entsagst, wenn das in dir stirbt, wirst du eine außerordentliche Leere erleben, einen außerordentlichen Raum in dir. Und nur in diesem Raum wirst du zu lieben wissen. Und nur in diesem Raum entsteht das wahrhaft Neue, da wirkt die ursprüngliche Energie, die nicht vom Geist erfasst werden kann. Aber um dahin zu kommen, muss alles in dir sterben, was du weißt. Und in diesem Sterben ist große Schönheit, unerschöpfliche Lebensenergie.
(Übersetzung ins Deutsche: E. A.)