Auszug aus Rundbrief Dez. 2015

Auszug aus dem Rundbrief „K-Info 2015-12“

Text von Bernd Hollstein
Internetseite des Krishnamurti-Komitees D|A|CH: www.jkrishnamurti.de

 

Zwei Neuveröffentlichungen von vergriffenen Büchern haben wir vorbereitet:

  • »Das Licht in uns – Über wahre Meditation« früherer Titel ›Das Licht in Dir‹ – englischer Titel ›This Light in Oneself‹

Das Buch ist in einer Neuübersetzung im Mai 2015 im SteinRich Verlag erschienen. Es enthält 17 Auszüge aus verschiedenen Reden und einen Text aus ›Krishnamurti’s Journal‹.

  • »Revolution durch Meditation – Grundlagen für einen radikalen Bewusstseinswandel« englischer Titel ›The Only Revolution‹

Die Veröffentlichung durch Theseus ist für März 2016 geplant. Das Buch enthält 40 selbst geschriebene Texte von Krishnamurti mit seinen Wahrnehmungen der Welt, grundsätzlichen Aussagen zur Meditation, d.h. zum anderen Bewusstsein, und Gespräche mit Menschen in Indien, Kalifornien und Europa aus den sechziger Jahren.

In beiden Büchern steht der Kern von Krishnamurtis ›Lehre‹ im Mittelpunkt – der grundlegende ›Bewusstseinswandel‹ im Menschen und dessen Voraussetzungen. Dazu möchte ich in aller Kürze auf einige Aspekte hinweisen, die dem menschlichen ›Normalbewusstsein‹ zwangsläufig Schwierigkeiten bereiten.

 

  • Was Krishnamurti mit seinen Zuhörern, Lesern und Gesprächspartnern zu teilen versucht, ist keine neue Ansicht, Theorie oder Philosophie über das Leben oder das menschliche Bewusstsein. Es ist der Zustand eines ›anderen Bewusstseins‹, aus und von dem Krishnamurti in den beiden Büchern spricht und schreibt. Dieses ›andere Bewusstsein‹ ist eins mit der wahren Beschaffenheit des Lebens und Daseins, mit seiner unteilbaren Ganzheit, mit dem grundlegenden Einssein der Welt, des Universums der Erscheinungsformen – und mit dem Urgrund des Ganzen. Das ist vom Denken und Fühlen – beides materielle Prozesse in Gehirn und Gesamtorganismus des Menschen – nicht erfassbar. Das menschliche ›Normalbewusstsein‹ kann dem nur zuhören – aus dem Erkennen der eigenen Unwissenheit, aus innerer Offenheit und Stille. Wenn es darüber zu diskutieren beginnt oder das Gehörte in seine Begriffswelt zu übertragen versucht, verbaut es sich selbst jeden Zugang dazu.
  • Eine weitere Schwierigkeit bereitet die Aussage, dass sich das ›andere Bewusstsein‹ nicht aus einer allmählichen oder schrittweisen Veränderung oder Umwandlung des menschlichen ›Normal- oder Ich- Bewusstseins‹ ergibt, sondern dass es nur zum Vorschein kommen kann, wenn der bisherige Bewusstseinszustand vollständig endet. Und dies ist nicht möglich, solange es noch selbst irgendetwas unternimmt, um zu enden – egal ob im Äußeren oder Inneren. Das einzusehen, fällt vielen Menschen, die Krishnamurti gehört oder gelesen haben, schwer. Wir glauben etwas tun zu müssen, um an ein Ziel zu gelangen. Dass dies ein Unterlassen, ein Einstellen allen Tuns im Inneren sein könnte, ist zu ungewohnt, kann Unruhe erzeugen und sinnlos erscheinen. Dahinter steckt das Ich, das Zentrum, das instinktiv sein damit verbundenes Ende spürt, den Verlust von allem, an dem es hängt und festhält.
  • Das einzige, was nach Krishnamurti vom ›Normalbewusstsein‹ getan werden kann, ist, die Wirklichkeit zu sehen, wie sie ist – die eigene innere Verfassung sowie die, der übrigen Menschheit. Das ist der erste Schritt aus der Unwirklichkeit der eigenen Vorstellungswelt in das tatsächliche Geschehen des menschlichen Lebens in uns und um uns herum – und damit auch der einzige Schritt zur ›Wahrheit‹:

»Wahrheit ist nichts Geheimnisvolles, sie ist dort, wo Sie sind. … Ich bin wütend, ich bin aggressiv, ich streite mich. Das ist eine Tatsache. Man muss also dort beginnen, wo man steht. Deshalb ist es wichtig, dass man sich selbst kennenlernt, dass man alles über sich selbst weiß oder erfährt, aber nicht von anderen, nicht von Psychologen oder Gehirnforschern, etc. … Denn Sie sind die Geschichte der Menschheit. … Wenn Sie wissen, wie dieses Buch zu lesen ist, das Sie selbst sind, dann kennen Sie alle Aktivitäten, Brutalitäten und Dummheiten der Menschheit, denn Sie sind [dasselbe wie] die übrige Menschheit.«
Brockwood 1983, Antworten auf Fragen

Aus meiner eigenen Erfahrung bei der Arbeit an den Übersetzungen kann ich sagen, dass durch Zuhören in der von Krishnamurti oft empfohlenen Form, der Geist mit der Tiefe seiner Aussagen in Berührung kommen kann. Vielleicht sogar mit einer unvermittelten, nicht beabsichtigten Klarheit und Stille, die die Lebensweise des Menschen zeigt, wie sie ist – was zu einem natürlichen Bleibenlassen führen kann. Ich hoffe, dass bei der Übersetzung in eine andere Sprache dieser Zugang für die Leserinnen und Leser offen geblieben ist.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für das Neue Jahr
Bernd Hollstein